Der Rollstuhlbasketball bedeutet Dominik (18) alles
29/09/2026
Dominik Langer hat etwas erreicht, wovon andere ein Leben lang träumen: Er ist Weltmeister. In einer Sportart, die der 18-Jährige unbedingt zu seinem Beruf machen möchte. Ein Leben ohne Rollstuhlbasketball? Kann sich der Schüler aus Bayreuth nicht mehr vorstellen. Zu groß ist seine Identifikation mit dem Sport, zu groß sind sein Ehrgeiz und seine Ziele. Wäre da nicht seine eingeschränkte Mobilität. Die An- und Abreise zu Trainingseinheiten und Lehrgängen wird für ihn schnell zur Herausforderung. Daher wandte sich seine Familie an unsere Einzelfallhilfe.

Nicht mehr lange muss sich Dominik gedulden. Dann kann er endlich sein eigenes Auto fahren. Der rollstuhlgerechte Fahrzeugumbau, an dessen Finanzierung wir uns von Aktion Hilfe für Kinder beteiligt haben, soll in Kürze abgeschlossen sein. Dominik kann es kaum erwarten. Denn das eigene Auto bedeutet für ihn vor allem eines: Freiheit. Endlich kann er unabhängiger seinem Sport nachgehen. „Dann kann ich dort hinfahren, wohin ich möchte“, sagt Dominik erwartungsvoll. „Auch bei Regen und Schnee.“
Zugfahrten werden zur Geduldsprobe
Bis dahin nutzt der angehende Abiturient vor allem öffentliche Verkehrsmittel, insbesondere die Deutsche Bahn und deren Mobilitätshilfe. Mit ihr verbindet Dominik viele Frustmomente.
Er ist auf den Service angewiesen, denn die Fahrten zum Sport bedeuten für ihn mehr Aufwand als für andere: Er muss zwei Rollstühle transportieren, seinen Alltags- und seinen Basketballrollstuhl. Unterwegs ist er mit einem Handbike, ein kleines Antriebsrad, das vorne an seinem Alltagsrollstuhl befestigt wird. Den Basketballrollstuhl schiebt er beim Transport vor sich her. Am Bahnhof angekommen müssen Reisende wie Dominik, die eine Mobilitätshilfe in Anspruch nehmen, 20 Minuten vor geplanter Ankunft des Zuges Bescheid geben – entweder im Reisezentrum oder an der Information. „Besser 25 Minuten vorher“, rät er. Dann begleitet eine Person vom Bahnpersonal den Fahrgast zum Gleis und hilft beim Ein- und Ausstieg. „Aber manchmal ist diese Mobilitätshilfe überhaupt nicht da“, bedauert Dominik. Ein weiteres Problem: die vielen Zugverspätungen. „Es ist deutlich zeitintensiver für mich. Gerade für die Nationalmannschaft ist es enorm wichtig, dass ich allein von A nach B komme.“
Besuch im „Aktuellen Sportstudio“
Mit seinen herausragenden Leistungen und seiner beeindruckenden Zielstrebigkeit hat es Dominik bis in die U19- und U23-Nationalmannschaft im Rollstuhlbasketball geschafft. Mit letzterer feierte er 2025 in einem packenden Finale gegen die Türkei den Gewinn der Weltmeisterschaft in Brasilien. Kurz darauf wurde er mit seinem Team ins „Aktuelle Sportstudio“ im ZDF eingeladen und als Para-Mannschaft des Jahres 2025 gekürt – ein Meilenstein in der noch so jungen Karriere.

Wenn er nicht im Nationaldress spielt, geht Dominik für den RSV Bayreuth aus der 2. Rollstuhlbasketball-Bundesliga auf Korbjagd. In Spitzenzeiten trainiert es bis zu acht Mal pro Woche.
Seit acht Jahren ist der Rollstuhlbasketball nicht mehr aus seinem Leben wegzudenken. Als Zehnjähriger sah er eine Dokumentationsserie im Kinderkanal über die Sportart. Da war es um ihn geschehen. „Ich dachte mir: ‚Cool, das will ich auch ausprobieren.‘“ Gesagt, getan. Dominik ging zu einem Training. Es hat sofort Klick gemacht. „Ich war direkt Feuer und Flamme“, sagt Dominik. „Das hat mir so viel Spaß gemacht, ich wollte nicht mehr aufhören.“
Paralympics als großes Ziel
Was der Sport für ihn bedeutet? Dominik muss nicht lange überlegen: „Alles. Der Sport hat mir bis jetzt so viel gegeben. Durch den Basketball habe ich Ziele, die ich unbedingt erreichen möchte und wofür ich hart arbeite.“ Sein großes Ziel? Die Teilnahme an den Paralympics, den Olympischen Spielen für Athlet:innen mit einer Beeinträchtigung.

Vor zwei Jahren ist er für den Rollstuhlbasketball von zu Hause ausgezogen, lebt in einer Wohngemeinschaft, rund zwei Stunden vom Elternhaus entfernt. „Es war damals ein großer Schritt“, blickt Dominik zurück. „Aber es war die richtige Entscheidung. Ich würde es immer wieder so machen.“ Auch wenn er sich anfangs an die neue Situation gewöhnen musste.
„Das Leben managen“
Dominik lebt mit einer Spina Bifida, auch „offener Rücken“ genannt. Sie ist eine Fehlbildung der Wirbelsäule und des Rückenmarks. Seit seiner Geburt sitzt Dominik im „Rolli“, wie er seinen Rollstuhl nennt.
Selbstständiger sei er durch den Sport geworden, so Dominik. Wäsche waschen, den Haushalt erledigen, Termine strukturieren: „Das Leben managen“, wie er sagt. „Das alles unter einen Hut zu bekommen, habe ich durch den Basketball gelernt.“

Was er auch durch den Basketball gelernt hat? Den eigenen Körper besser zu verstehen. „Ich weiß, was er braucht, um leistungsfähig zu sein und wie weit ich gehen kann“, erklärt Dominik. Der Basketball fordert ihm alles ab, ganz zu seiner Freude. „Ich liebe es, an mein Limit zu gehen“, sagt Dominik.
Wir von Aktion Hilfe für Kinder freuen uns, ihn auf seinem Weg ein Stück begleiten zu dürfen. Von seiner Energie und davon, wie selbstverständlich er seinen eigenen Weg geht, sind wir begeistert. Seine Leidenschaft steckt an. Wir wünschen Dominik alles Beste für seine Zukunft und hoffen, dass all seine sportlichen Träume in Erfüllung gehen. Wir drücken fest die Daumen.
Diese Förderung wäre allerdings ohne die unersetzliche Unterstützung durch unsere Mitglieder nicht möglich gewesen. Wollen auch Sie Mitglied werden und unsere Einzelfallhilfe unterstützen? Weitere Informationen zur Mitgliedschaft.