„Endlich nicht mehr abhängig sein“ – Wie ein Autoumbau Joels (9) Familie Freiheit schenkt
14/04/2026

Fotos: privat
Joel reckt seine Arme in die Höhe. LKWs sausen an ihm vorbei. Er quietscht vor Freude. Ein Abenteuer auf vier Rädern und der Neunjährige mittendrin. „Joel hatte den Spaß seines Lebens“, sagt seine Mutter und lacht, wenn sie an die erste gemeinsame Fahrt im neuen Auto zurückdenkt. In dem großen Transporter, nach dem sich die Familie aus der Nähe von Hannover so sehr gesehnt hatte.
Dass Joel und seine Eltern Autofahrten heute unbeschwert genießen können, war lange nicht denkbar. Zuletzt stieß die Familie im Alltag an ihre Grenzen.
Joel hat eine seltene genetische Gehirnerkrankung, die mit schwerer Epilepsie einhergeht. Da er im Rollstuhl sitzt, mussten seine Eltern ihn stets in das Auto heben und ihn wieder heraustragen. Eine zunehmende Kraftanstrengung, besonders für die Mutter. „Ich konnte das ohne meinen Mann einfach nicht mehr. Gerade aus dem tiefen Rollstuhl in den hohen Autositz.“
„König auf seinem Thron“
Auch Joel litt unter der Situation. „Man hat ihm angemerkt, dass er es nicht mochte, wenn immer so an ihm herumgerissen wurde“, berichtet die Mutter. Sichtlich unwohl fühlte sich ihr Sohn auch im Kindersitz, den die Krankenkasse gestellt hatte.
Das ist jetzt alles anders. „Es ist tausendmal besser als vorher“, sagt die Mutter erleichtert. „Jetzt sitzt Joel da wie ein König auf seinem Thron.“

Möglich macht das ein umgebauter Kleinbus mit Kassettenlift. Die Familie bekommt damit genau die Unterstützung, die sie im Alltag braucht: Sicher mit Gurten angeschnallt kann Joel direkt hinter dem Beifahrersitz mitfahren. Der Autoumbau ist eine Sonderanfertigung, an deren Kosten sich Aktion Hilfe für Kinder e. V. im Rahmen der Einzelfallhilfe finanziell beteiligt hat.
„Da geht sein Herz auf“
Arzttermine, Ausflüge wie zuletzt mit Joel und seiner Oma an den Maschsee in Hannover seien nun problemlos, berichtet die Mutter. „Das ist jetzt alles total einfach. Auch für mich allein.“
Ihr Sohn liebt es, wenn es glänzt und funkelt. Kontrastreiche Muster faszinieren ihn. Er beobachtet Menschen genau. Auffällige Brillen, eine Strähne im Gesicht – das zieht seine Aufmerksamkeit an. Und dann ist da noch seine große Leidenschaft: die Abenteuer von Disneys „Vaiana“. „Da geht sein Herz auf“, so die Mutter.

Joel prägt das Familienleben auf seine eigene Weise. Aus seinen Gefühlen macht er kein Geheimnis. Begeisterung, Unmut – alles hat seinen Platz. In seiner Welt sei er zufrieden, sagt die Mutter. „Joel ist ein wirklicher Sonnenschein.“
„Einfach losfahren“
Vor allem aber ist ein Gedanke verschwunden, der die Familie lange begleitet hatte. Dieses Abwägen. „Was machen wir mit Joel?“ Diese Frage stellt sich nicht mehr. „Endlich nicht mehr abhängig sein. Endlich nicht mehr organisieren müssen. Einfach losfahren“, sagt die Mutter. Selbstverständlich mit Joel.
Wenn Familien an einen Punkt kommen, an dem sie wichtige Ausgaben nicht mehr allein stemmen können, greift die Einzelfallhilfe von Aktion Hilfe für Kinder e. V. In solchen Situationen stehen wir an der Seite der Familien und helfen dort, wo es sonst keine Lösung gibt. Die Unterstützungsleistungen richten sich an Kinder mit Behinderungen und Kinder aus Familien mit finanziell begrenzten Mitteln. In welchen Fällen wir mit unserer Einzelfallhilfe unterstützen.